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Die chinesischen oder sinitischen Sprachen bilden einen der beiden
Primärzweige der sinotibetischen Sprachfamilie, der andere Primärzweig sind
die tibetobirmanischen Sprachen. Chinesische Sprachen werden heute von ca.
1,2 Milliarden Menschen gesprochen, von denen die meisten in der
Volksrepublik China und der Republik China (Taiwan) leben. In vielen
Ländern, vor allem in Südostasien, gibt es größere chinesischsprachige
Minderheiten. Die chinesische Sprache mit der größten Anzahl an Sprechern
ist das Hochchinesische, das oft einfach als „Chinesische Sprache“
bezeichnet wird.
Mehrere chinesische Sprachen, eine
chinesische Schrift In der Regel bezeichnet der Begriff
„chinesische Sprache“ die Standardsprache Hochchinesisch (Putonghua, auch
Mandarin). Daneben gibt es sieben weitere chinesische Sprachen oder
Dialektbündel, die ihrerseits in viele Einzeldialekte zerfallen. Man kann
diese Sprachen grob in nordchinesische und südchinesische Dialektgruppen
einteilen. Die verschiedenen Formen des Chinesischen werden gemäß der
traditionellen chinesischen Terminologie als Dialekte (chin. 方言, fāngyán)
bezeichnet, obwohl der Grad ihrer Abweichungen untereinander nach westlichem
Maßstab eine Klassifikation als Sprache rechtfertigen würde.
In Phonetik und Grammatik unterscheiden sich die verschiedenen
Dialektgruppen so weit, dass die Sprecher unterschiedlicher chinesischer
Sprachen auf das von den meisten Chinesen gesprochene Hochchinesisch
zurückgreifen müssen, um sich verständigen zu können. Auch die chinesische
Schrift fungiert als dialektübergreifendes Verständigungsmittel, da
etymologisch verwandte Morpheme trotz unterschiedlicher Aussprache im
Allgemeinen in allen Dialekten mit dem gleichen chinesischen Schriftzeichen
geschrieben werden. Das folgende Beispiel möge dies illustrieren. Im
Altchinesischen war das gewöhnliche Wort für „essen“ *Ljɨk[1], das mit dem
Zeichen 食 geschrieben wurde. Das kantonesische Wort sɪk˨˨ stammt davon ab
und wird daher ebenfalls 食 geschrieben. Im Hochchinesischen wird für „essen“
gewöhnlich chī benutzt, das nicht von *Ljɨk stammt und daher mit einem
eigenen Zeichen, 吃, geschrieben wird. Auch andere Varianten des Chinesischen
verfügen, sofern sie geschrieben werden, für viele Wörter über eigene
Zeichen, wie das Kantonesische 冇 „nicht haben“ .
Somit ist die ideographische chinesische Schrift – jedes Zeichen steht im
Prinzip für ein Wort – das einigende Band, das die Sprecher der sehr
unterschiedlichen chinesischen Sprachvarianten zu einer großen kulturellen
Gemeinschaft mit einer Jahrtausende alten schriftlichen Tradition verbindet.
Bei einer Alphabetschrift oder einer anderen Lautschrift wäre diese
einigende Funktion nicht vorhanden. Die chinesischen
Sprachen und ihre geographische Verbreitung Das
ursprüngliche Verbreitungsgebiet der chinesischen Sprache ist schwer zu
rekonstruieren, da die Sprachen der Nachbarn des antiken Chinas fast
unbekannt sind und somit sich nicht entscheiden lässt, ob chinesische
Sprachen außerhalb derjenigen chinesischen Staaten verbreitet waren, die
Schriftzeugnisse hinterlassen haben; vor allem weite Teile Südchinas
scheinen noch im 1. Jahrhundert n. Chr. außerhalb des chinesischen
Sprachgebiets gelegen zu haben. Bereits in der Zeit der Zhou-Dynastie
(11.–3. Jahrhundert v. Chr.) finden sich Hinweise auf eine dialektale
Gliederung des Chinesischen, die sich in den folgenden Jahrhunderten
wesentlich verstärkte. Heute werden meist acht chinesische Sprachen oder
Dialektbündel unterschieden, die jeweils aus einer Vielzahl lokaler
Einzeldialekte bestehen.
Die folgende Tabelle gibt die acht chinesischen Sprachen
oder Dialektbündel mit ihren Sprecherzahlen und Hauptverbreitungsgebieten
an. Die Sprecherzahlen stammen aus Ethnologue und anderen aktuellen Quellen.
Eine detaillierte Auflistung lokaler Dialekte bietet der Artikel Liste der
chinesischen Dialekte.
| Sprache |
Altern.
Name |
Sprecher |
Hauptverbreitungsgebiet |
| Hochchinesisch |
Mandarin |
875 Mio |
China, Taiwan¨, Singapur |
| Wu |
|
80 Mio |
China: Yangzi-Mündung, Shanghai |
| Yue |
Kantonesisch |
70 Mio |
China: Guangxi, Wuzhou, Guangdong, Hongkong |
| Min |
|
60 Mio |
China: Fujian, Hainan, Taiwan, Südostasien |
| Jinyu |
Jin |
45 Mio |
China: Shanxi, Innere Mongolei; auch Hebei, Henan |
| Xiang |
Hunan |
36 Mio |
China: Hunan |
| Hakka |
Kejia |
33 Mio |
Süd-China, Taiwan |
| Gan |
Kan |
21 Mio |
China: Jiangxi, Hubei; auch Hunan, Anhui, Fujian |
Quelle: Wikipedia
Urheber: Gemeinschaft der Wikipedia-Autoren
Version vom 10. November 2009 um 23:24 Uhr
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