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Kanji- die Japanische Schriftzeichen aus China


Der Name Kanji ist abgeleitet von der chinesischen Han-Dynastie, zu deren Zeit die chinesische Schrift vereinheitlicht und das erste Zeichenlexikon (das Shuowen Jiezi) erstellt wurde. Auch die Schriftzeichen des Chinesischen selbst beziehen sich namentlich darauf, sie heißen analog Hànzì „Zeichen der Han“.

Der älteste Beleg für die Verwendung chinesischer Schriftzeichen in Japan sind Gravierungen auf Bronzeschwertern, die in Hügelgräbern (Kofun) aus dem 3. bis 5. Jahrhundert n. Chr. gefunden wurden. Japan wird auch in chinesischen Quellen aus dem 3. Jahrhundert erwähnt.

Wann genau allerdings die ersten Gelehrten und Bücher aus China und Korea nach Japan kamen und dort die Schriftkultur begründeten, ist historisch nicht genau belegt. Es heißt in japanischen Legenden, dass ein in Baekje wirkender chinesischer Gelehrter namens Wani (王仁, kor. 왕인 Wang-In, chin. Wángrén) die chinesischen Schriftzeichen im späten 4. Jahrhundert nach Japan brachte.[1] Er wurde an den Hof des Yamato-Reiches eingeladen, um den Konfuzianismus zu lehren und brachte dabei die chinesischen Bücher Analekten des Konfuzius und den Tausend-Zeichen-Klassiker nach Japan. Wani wird in den historischen Aufzeichnungen Kojiki und Nihon Shoki erwähnt. Ob Wani wirklich lebte oder nur eine fiktive Person ist, ist unklar, genauso wenig die Korrektheit der Jahreszahlen. Die heute bekannte Version des Tausend-Zeichen-Klassikers ist zur Zeit der Regentschaft von Kaiser Liang Wu Di (502–549) entstanden.

Es wird von einigen Wissenschaftlern für möglich gehalten, dass bereits im 3. Jahrhundert chinesische Werke ihren Weg nach Japan fanden. Als gesichert gilt, dass spätestens ab dem 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung die Kanji in mehreren Wellen aus verschiedenen Teilen Chinas importiert wurden. Die ersten geschriebenen Texte in Japan waren also in chinesischer Sprache verfasst, auch die von japanischen Gelehrten. Der japanische Begriff für die klassische chinesische Literatur ist Kanbun.

Der Versuch des Yamato-Hofes, nach chinesischem Vorbild eine Verwaltung gestützt auf Literaten-Beamte zu schaffen, scheiterte jedoch und die Ämter blieben in der Hand der alten Adelsclans (Uji). Die chinesischen Klassiker blieben trotzdem eine wichtige Basis des japanischen Staatswesens. Es wurde eine Methode entwickelt, die chinesischen Klassiker mit kleinen Vermerken zu versehen, so dass sich chinesische Texte japanisch lesen ließen. Insbesondere müssen dabei die Schriftzeichen in einer anderen Reihenfolge gelesen werden, da das Verb im Chinesischen an zweiter Stelle steht, in japanischen Sätzen dagegen am Schluss.

Im nächsten Schritt wurden die chinesischen Schriftzeichen in japanischer Syntax angeordnet, um japanische Sätze zu schreiben. Die Schriftzeichen wurden zuerst ausschließlich chinesisch gelesen, mit einer Anpassung an die japanische Phonetik, der Ursprung der heutigen On-Lesung. Nun ging man parallel dazu über, existierende japanische Worte mit chinesischen Schriftzeichen zu schreiben, weswegen viele Schriftzeichen eine zweite Lesung, die Kun-Lesung, bekamen. Um die Konjugationsendungen an japanischen Verben zu schreiben, die das Chinesische nicht kennt, wurden einzelne Schriftzeichen nur noch der Phonetik nach verwendet und verloren ihre Bedeutung, die sogenannte Manyogana. Aus den Manyogana entwickelten sich die heutigen Silbenschriften Hiragana und Katakana.

Für einige japanische Begriffe gab es keine Kanji. In Japan, der Inselnation, spielte der Fischfang eine größere Rolle als in China, und insbesondere für viele Fische fehlten Schriftzeichen. In Japan wurde daher eine Reihe von Schriftzeichen nach den chinesischen Regeln geschaffen, mehr als die Hälfte davon Namen für Fische.

Noch in der Meiji-Zeit war die Kun-Lesung der Kanji nicht standardisiert. Die Schriftzeichen konnten nach persönlichen Vorlieben mit bestimmten Wörtern assoziiert werden. Erst die Schriftreform aus dem Jahr 1900 setzte hier Standards. Eine weitere Entwicklung der Meiji-Zeit war die Einführung einer verpflichtenden Grundschulbildung.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Anzahl der „für den Alltag gebräuchlichen Schriftzeichen“ vom Bildungsministerium auf zuerst 1.850 und im Jahr 1981 auf 1.945 (Tōyō- bzw. Jōyō-Kanji) festgelegt, die auch in der Schule gelehrt werden. Amtliche Texte und viele Zeitungen beschränken sich auf diese Zeichen und geben alle anderen Begriffe in Kana wieder. Daneben gibt es weitere ca. 580 sogenannte Jinmeiyō Kanji, die nur für die Verwendung in japanischen Eigennamen offiziell sind.

Grundsätzlich entsprechen die Kanji den traditionellen chinesischen Langzeichen. Einige Zeichen wurden mit der Tōyō-Reform aber in einer ähnlichen Weise vereinfacht wie die Kurzzeichen bei der chinesischen Schriftreform von 1955.

Im modernen Japanisch werden die Kanji verwendet, um Nomen und die Wortstämme von Adjektiven und Verben zu schreiben. Partikel, Konjunktionen und grammatische Endungen (Okurigana) werden in Hiragana geschrieben. Onomatopoetische Ausdrücke und Fremdwörter (Gairaigo, 外来語) werden in Katakana geschrieben.

Einige (nicht-chinesische) Fremdwörter, die zum Teil noch aus dem 16. Jahrhundert stammen, wie etwa tabako (煙草 oder 莨, „Tabak“) oder Tempura (天婦羅 oder 天麩羅) besitzen auch eine historische Schreibung in Kanji, die entweder nach Bedeutung, wie bei tabako, oder phonetisch, wie bei tempura gebildet wurde. Diese Schreibungen bezeichnet man als Ateji (当て字). Oft werden diese Fremdwörter heutzutage in Hiragana geschrieben, entweder weil sie nicht mehr als Fremdwörter empfunden werden, oder weil die Kanji-Schreibung zu kompliziert ist.

Durch den starken chinesischen Einfluss aus Korea waren Kanji (kor. Hanja) traditionell auch in Korea gebräuchlich, seit der Kabo-Reform Ende des 19. Jh. sind diese aber weitgehend durch die Hangeul-Zeichen ersetzt worden.

Im Rahmen des Kulturtransfers, der Eroberung und der Missionierung durch den Buddhismus, gelangten die chinesischen Schriftzeichen im Laufe der Jahrhunderte z. B. auch nach Korea (im 2. Jahrhundert), Japan (im 3. Jahrhundert) und Vietnam (im 1. Jahrhundert).

In Japan, wo auch heute noch chinesische Schriftzeichen, Kanji genannt, verwendet werden, z.T. in japanischen vereinfachten Varianten der Langzeichen, wurden die chinesischen Zeichen durch Eigenentwicklungen Kokuji und die aus chinesischen Zeichen entstandenen Silbenschriften Hiragana und Katakana ergänzt.

In Korea wurde zunächst nur mit chinesischen Zeichen geschrieben. Im Jahr 1446 führte man parallel dazu die neu entwickelte, Phonem-basierte Schrift Hangeul ein. In Südkorea wird bis heute in manchen Druckwerken ein gemischtes System aus chinesischen Zeichen (dort Hanja genannt) und Hangeul verwendet, in Nordkorea wurden im Rahmen einer Schriftreform die chinesischen Zeichen wieder abgeschafft. Eigene Schriftzeichen nach chinesischem Vorbild heißen Gugja.

Auch Vietnam nutzte chinesische Schriftzeichen, genannt Chữ Hán, und eigene Entwicklungen nach chinesischem Vorbild (Chữ nôm). Später verzichtete man ab dem Ende der französischen Kolonialherrschaft auf die chinesische Schrift; hier wurde sie durch eine um diverse diakritische Zeichen ergänzte Lateinschrift ersetzt. Siehe dazu: Vietnamesische Sprache.

 

 

Quelle: Wikipedia
Urheber: Gemeinschaft der Wikipedia-Autoren
Version 11. Oktober 2009 um 17:00 Uhr
abrufbar unter:

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Chinesische_Schriftzeichen&oldid=65473162

sowie

Version 10. November 2009 um 10:10 Uhr
abrufbar unter:

http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Kanji&oldid=66632271

 

 

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