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Literatur
Insbesondere aufgrund europäischer Einflüsse erfuhr die chinesische
Literatur nach dem Sturz der Monarchie erhebliche neue Impulse. Meilensteine
setzten insofern das Manifest des Hu Shi von 1916 sowie die sog.
Vierter-Mai-Bewegung, die sich beide die Überwindung des
traditionell-Konfuzianischen und eine Modernisierung der chinesischen Kultur
auf die Fahnen geschrieben hatten.
Prosa

Ba Jin, 1938
Als Begründer der modernen chinesischen Prosa gilt der Arzt Lǔ Xùn (鲁迅;
1881–1936). Nach dem Untergang der maroden Qing-Dynastie trat er in seinen
Erzählungen und Essays für eine geistige Neuausrichtung des chinesischen
Volkes und die Überwindung traditioneller Bevormundungen ein. Obwohl ihn
seine Schriften in den Dreißiger Jahren häufig in Konflikt mit den
Kommunisten brachten, wurde er nach seinem Tod von der nunmehr an die Macht
gekommenen Kommunistischen Partei Chinas für ihre Zwecke instrumentalisiert.
Der Mandschure Láo Shě (老舍, 1899–1966) ist vor allem durch seinen Roman
(Rikschakuli (駱駝祥子; Luòtuo Xiángzi) und das Drama Das Teehaus (茶館; Cháguǎn)
bekannt geworden.
Zu den politischsten unter den Schriftstellern der chinesischen Moderne
zählt der ursprünglich aus dem Journalismusbereich kommende Máo Dùn (茅盾;
1896–1981). Er war nicht nur 1921 an der Gründung der KPCh beteiligt,
sondern arbeitete später auch als Maos Privatsekretär sowie schließlich als
Kultusminister. Seine Hauptwerke sind die Romane Seidenraupen im Frühling
(春蚕; Chūnchiji) und Shanghai im Zwielicht (子夜; Zǐyè).
Bā Jīn (巴金; 1904–2005) schließlich verdankt seine literarische Bedeutung
seinem breiten Romanwerk, etwa den Trilogien „Liebe“ (爱情; àiqíng) von 1936
und „Heftige Strömung“ (激流; jīliú) von 1940, aber auch seinem Wirken als
Übersetzer ausländischer Literatur und als Vorkämpfer der Esperanto-Bewegung
in China.
Lyrik
Auch im Bereich der Lyrik streifte die chinesische Literatur infolge des
Manifests des Hu Shi von 1916 sowie der Bewegung des vierten Mai
traditionelle Bindungen ab. So überwinden moderne chinesische Gedichte (新詩
Freivers) etwa die strengen formalen Vorgaben des Jintishi und folgen meist
keinem bestimmten Muster mehr.
Inhaltlich lassen sich starke Einflüsse der europäischen Lyrik feststellen,
wofür insbesondere die aus England, Frankreich und Deutschland
zurückgekehrte Dichter verantwortlich zeichnen. So knüpft etwa Xu Zhimo in
seinen romantischen Dichtungen an die Schöpfungen der englischen Dichter
Keats und Shelley an.
Berühmte chinesische Dichter der Zeit zwischen dem Sturz der Monarchie und
der Gründung der Volksrepublik sind etwa Hú Shì (胡适/胡適, 1891-1962), Kāng
Báiqíng (康白情, 1896-1959) sowie Frau Bīng Xīn (冰心, 1900-1999). Erhebliches
auf dem Gebiet der Lyrik hat auch der universeller begabte Guō Mòruò (郭沫若,
1892-1978) geleistet.
Malerei
Nach dem Sturz der Qing-Dynastie fand in der chinesischen Malerei eine bis
dahin so nicht gekannte Differenzierung statt. Viele Künstler lösten sich
unter vielfältigen politischen und kulturellen Einflüssen von den
traditionellen Vorbildern und entwickelten höchst individuelle Stile.
Qí Báishís (齐白石; 1864–1957) Bilder zeichnen sich durch einfache Strukturen
und schnelle, gekonnte Pinselstriche aus. Zu seinen bevorzugten Sujets
gehören ländliche Szenerien, Ackergeräte, vor allem aber besonders
lebensecht wirkende Tier- und Pflanzendarstellungen.
Xú Bēihóng (徐悲鸿; 1895–1953) importierte europäische Techniken in die
chinesische Malerei; bekannt geworden ist er etwa als Maler galoppierender
Pferde. In den 1930er Jahren schuf er einflussreiche Gemälde wie Tian Heng
und fünfhundert Rebellen, Jiu Fanggao und Frühlingsregen über dem
Lijiang-Fluss. An moderneren Werken der europäischen Kunst orientierte sich
der lange von der offiziellen Kulturpolitik geächtete Lín Fēng Mián (林風眠;
1900–1991). Sein Werk prägen grelle Farben, auffällige Gestalten und reicher
Inhalt.

Galoppierendes Pferde, von Xu Beihong
Stärker der chinesischen Tradition verhaftet blieb der Blumen- und
Landschaftsmaler Pān Tiānshòu (潘天壽; 1897–1971). Von den Akademiemalern des
Südlichen Song-Dynastie übernahm er etwa das Arbeiten mit scharfen
Kontrasten und großen leeren Flächen. Die Kunst Fù Bàoshís (傅抱石; 1904–1965)
knüpft einerseits ebenfalls an die individualistische Gelehrtenmalerei Shí
Tāos an, wurde aber auch von Einflüssen der japanischen Nihonga-Schule
gespeist. Seinen Stil prägen zügige und doch akkurate Linienführung und
trockene Textur, andererseits aber auch großflächige Lavierungen. Thematisch
dominieren Landschaften sowie Darstellungen historischer und mythologischer
Gestalten. Auf Landschaftsmalerei spezialisierte sich auch Lǐ Kěrǎn (李可染;
1907–1989). Ihm wird die Devise „Eine Biographie für die Berge und Flüsse
der Heimat schreiben“ zugeschrieben. Auch er arbeitete häufig mit leeren
Flächen und schenkte dem Verhältnis von Licht und Schatten großes Augenmerk.
Holzschnitt
Eine Renaissance erlebte in der 1930er Jahren die bereits seit der
Sui-Dynastie in China fest etablierte Kunst des Holzschnitts. Treibende
Kraft war hierbei Lu Xun, der hierin ein effektives Propagandainstrument im
Kampf um die – meist lese- und schreibunkundigen – Massen sah. 1931 gründete
er in Shanghai eine Vortrags- und Studiengruppe für den Holzschnitt und
organisierte gegen den erbitterten Widerstand der herrschenden Guomindang im
Untergrund Ausstellungen. Stilistisch lassen sich in den Holzschnitten
dieser Periode neben der chinesischen Tradition auch sowjetische, japanische
und deutsche Einflüsse nachweisen; eine zentrale Rolle spielte insofern auch
die Kunst von Käthe Kollwitz.
Inhaltlich dominierten anfangs vor allem Appelle zum Kampf gegen die
japanischen Invasoren; nach deren Vertreibung wurden etwa die Bodenreform,
der Aufbau der Industrie, die Gleichberechtigung der Frau, die Verbesserung
des Gesundheitswesens und ähnliches thematisiert. Bedeutende Holzschneider
waren Lǐ Huá (李華, 1907-1994) und Gǔ Yuán (古元, 1919-1996).
Siehe Auch:
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