|
Literatur

Kaiser Huizong, Gedicht und Kalligraphie (12. Jahrh.)
Die Blüte der Lyrik in der Tang-Dynastie setzte sich in der
Song-Zeit zwar fort, doch wurde großteils an die Vorbilder
der verflossenen Ära angeknüpft. Deutlich machen dies
bereits die Dichterschulen:
- Bái Jūyì-Schule, wichtigster Vertreter Wáng Yǔchēng
(王禹偁; 954–1001), einfacher Stil, bisweilen
sozialkritische Themen
- Xikun-Schule, ahmt Lǐ Shāngyǐn nach, Wichtigster
Vertreter Yáng Yì (揚億; 974–1020), blumiger Stil
- Changli-Schule, ahmt Hán Yù nach; bekanntester
Vertreter Ōuyáng Xiū (歐陽修; 1007–1072)
- Jiangxi-Schule, wichtigster Vertreter Huáng Tíngjiān
(黄庭堅; 1045–1105), u.a. stimmungsvolle Naturlyrik
Überragende Dichtergestalt der Song-Zeit war indes
der bereits zu Lebzeiten berühmte Sū Dōngpō (蘇東坡;
1037–1101), der auf nahezu allen Feldern
klassisch-chinesischer Poesie tätig war und insbesondere
durch sein Ode von der Fahrt zur Roten Wand (前赤壁賦; Qián
Qìbì Fù) bekannt wurde.
Einen Aufschwung erlebte auch die volksliedhafte
Ci-Lyrik. Als Vertreter dieser Gedichtsform sind unter
anderen Sū Dōngpō, Lǐ Qīngzhào (李清照; 1084–1151) und Xīn
Qìjí (辛棄疾; 1140–1207) zu nennen. In Mode kamen in der
Song-Zeit ferner die meist in Sammlungen herausgegebenen
sogenannten Pinselnotizen. Anekdoten, Tagebücher,
Reiseberichte finden sich darunter, aber auch Abenteuer-
und Geistergeschichten, Witze, Rätsel und Kleinprosa
jeglicher Art. Ältestes Werk dieser Art sind die
Pinselnotizen des Song Jingwen (宋景文共笔记, Sòng Jǐngwén
Gòng Bǐjì) des Sòng Qí (宋祁; 998–1061). Ihren Ursprung in
der Song-Zeit haben schließlich die Urformen der
späteren Romane Geschichte der drei Reiche und Die Reise
nach dem Westen. Auch Theaterausführungen sind
dokumentiert, die sich in den späteren Epochen zu den
heutigen chinesischen Opern in ihren jeweiligen
regionalen Prägungen weiterentwickelten.
Malerei

Kaiser Huizong, Kraniche über dem Kaiserpalast (12.
Jahrhundert)
Einen Höhepunkt erreichte in der Song-Dynastie vor allem
die chinesische Malerei. Die Landschaftsbilder etwa
gewannen in dieser Zeit einen subtileren Ausdruck. Su
wurde beispielsweise die Unermesslichkeit von räumlichen
Entfernungen durch verschwommene Umrisse, im Nebel
verschwindende Bergsilhouetten oder eine geradezu
impressionistische Behandlung von Naturphänomen
angedeutet. Eine eher „gezähmte“ und vom kunstsinnigen
Menschen „genossene“ Natur steht indes in den späteren
Werken der südlichen Song-Dynastie im Vordergrund.
Berühmte Landschaftsmaler der Epoche waren Lǐ Táng (李唐;
1047–1127), Guō Xī (郭熙; 960–1127), Mǎ Yuǎn (馬遠; um
1155–1235; Auf einem Gebirgspfad im Frühling) sowie Xià
Guī (夏珪; um 1180–1230).
Wie bereits in früheren Perioden werden auch in der
Song-Malerei gerne Menschen in ehrfürchtiger
Kontemplation vor der Natur gezeigt, verschwinden
nunmehr aber nicht mehr notwendigerweise vor
majestätisch-überwältigenden Landschaftskulissen,
sondern nehmen durchaus zentrale Positionen ein. Zu
nennen sind in diesem Zusammenhang etwa der anonyme
Vornehme Gelehrte unter einer Weide, vor allem aber auch
Mǎ Líns (馬麟; ca. 1180–1256) berühmtes Dem Wind in den
Kiefern lauschend. Beachtung verdienen auch die farbigen
Miniaturen in Chao Yens Acht Reiter im Frühling.

Bambus und Fels, Li Kan (1244 – 1320)
Ein zentraler Gegenstand der Song-Malerei waren auch
Tier- und Pflanzendarstellungen. Große Bewunderung
erfuhr etwa Cuī Báis (Ts’ui Po, 崔白, aktiv 1068–1077)
stimmungsvolles Gemälde Hase und Eichelhäher, aber auch
die Schöpfungen des künstlerisch veranlagten Kaisers
Huīzōng (徽宗; 1082–1135), von dem unter anderem die Zwei
Finken auf Bambusstengeln stammen. Weitere renommierte
Tier- und Pflanzenmaler waren Mao I und Wén Tóng (文同;
1018–1079). Eine andere Richtung der Song-Malerei nahm
schließlich buddhistische Themen auf und stellte etwa
gerne chan-buddhistische Adepten dar.
Bahnbrechend wirkte in der Song-Malerei schließlich die
insbesondere auf Sū Dōngpō (蘇東坡; 1037–1101)
zurückgehende, konfuzianisch, aber auch
chan-buddhistisch beeinflusste und bisweilen erstaunlich
modern wirkende Wen-Jen-Hua-Schule. Sie brach mit dem
lange unbestrittenen Dogma, Malerei müsse möglichst
naturgemäß ihr Objekt wiedergeben, und trat für freiere
Ausdrucksformen ein. Exemplarisch kommt der Gedanke der
Wen-Jen-Hua-Schule etwa in Liáng Kǎis (梁楷; 1127–1279)
berühmtem Porträt von Lǐ Bái (李白; 701–762) zum Ausdruck.
Weitere bedeutende Vertreter dieser Richtung sind Mǐ Fú
(米芾; 1051–1107), Mǐ Yǒurén (Mi Yu-jen 米友仁; 1086–1165),
Mùqī (牧谿; 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts) und Wáng
Tíngyún (王庭筠; 1151–1202).
Lackkunst
Eine erste Blüte erreichte in der Song-Zeit die bereits
seit der Shang-Dynastie bekannte Lacktechnik, die
insbesondere auf Gefäßen zur Anwendung kam. Neben
monochromen Arbeiten konnte sich auch die sog.
Ritzlacktechnik etablieren. Nachdem man das Dekor in die
oberste Lackschicht eingraviert hatte, wurden die
Vertiefungen mit Gold und Silber ausgerieben, wodurch
man besonders optische Effekte erreichte.
Tapeten
Ebenfalls einen Höhepunkt erlebte in der Song-Zeit die
chinesische Tapete, die nunmehr fast ausschließlich aus
mit Leinen verstärktem Bambuspapier gefertigt wurden.
Beliebt waren einerseits florale Muster mit Pflanzen,
Blumen, Vögeln und Insekten, aber auch Landschaftsszenen
und Darstellungen aus dem Alltag der Menschen.
Siehe Auch:
Chinesische
Schriftzeichen
Chinesische
Kalligraphie
Kaiserreich
China
Chinesische
Philosophie
Chin.
Kampfkunst
Tibet
& tibetische Kultur
Chinesische
Medizin TCM
Chinesische
Malerei
Nationale
Minderheiten
Chinesische
Weisheiten
Chinesisches
Neujahr
Chinesischer
Kalender
Tierzeichen
1924-2019
12
Chin. Tierzeichen
Essstäbchen
Chinesische
Küche
|