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Nach chinesischer Krankheitslehre kommen die inneren
Störungen im Äußeren auf differenzierte Art zum Vorschein. Entsprechend
ausgebildet sind diagnostische Verfahren, die sich auf die sinnlich
wahrnehmbare Beschaffenheit der Körperaußenseite und seiner Ausscheidungen
richten. Berühmt dafür, weil ohne Entsprechung zu westlichen
Diagnosetechniken, sind die Puls- und die Zungendiagnose.
Zur Behandlung werden in der Regel verschiedene Methoden in Kombination
angewandt. Die fünf wichtigsten Methoden sind:
- Akupunktur und Moxibustion: Bestimmte Punkte, die entlang von „Meridianen“
angeordnet sind, werden mit Nadeln oder brennendem Beifuß (Moxa) gereizt.
- Massage (Tuina Anmo, Shiatsu in Japan …): Sie orientiert sich an den
Meridianen.
- Arzneitherapie: Sie besteht in der Verordnung von Rezepturen aus Rohdrogen
und ist im Hinblick auf die therapeutische Reichweite die bedeutendste der
Methoden.
- Diätetik: Den Lebensmitteln eignet nach dem Vorbild der Arzneimittel ein
bestimmtes Wirkprofil. Diesem entsprechend lassen sich die gängigen
Lebensmittel therapiebegleitend und vorbeugend einsetzen.
- Bewegungsübungen wie Qigong und Taijiquan: Unter Betätigung der
Vorstellungskraft, die sich auf den Körper und dessen Umgebung richtet und
oft auch auf die Nachahmung von Bildern, etwa Tierbildern zielt, wird in
langsamen und fließenden Bewegungen der Organismus beruhigt und belebt.
Arzneimittel
Die Klinische Chinesische Pharmakologie von Manfred Porkert – die
umfassendste Darstellung des Themas in einer westlichen Sprache – umfasst
515 Einzeldrogen. Davon entfallen unter 5 % auf Präparate oder Teile von
Wirbeltieren, darunter zum Beispiel die Knochen des Tigers, aber auch
fossile Knochen voreiszeitlicher Tiere. Jeweils gut 5 % sind mineralischer
Art oder bestehen aus Exkrementen, Sekreten, Würmern, Insekten und Teilen
von Weichtieren. 85 % sind pflanzlicher Herkunft. [22] In Europa beschränkt
sich die Arzneitherapie meist auf die Phytotherapie, das heißt die
Verwendung pflanzlicher Wirkstoffe aus kontrolliertem Anbau. Die einzigen
offiziell in Europa verwendeten tierischen Arzneistoffe sind verschiedene
Muschelschalen (z. B. der Chinesischen Auster oder Arkamuschelschalen).
Jede Einzeldroge besitzt ihr spezifisches Profil. Es besteht aus dem
Temperaturverhalten (siebenstufige Skala) und der Geschmacksqualität (sauer,
bitter, süß, scharf, salzig und neutral). Beides sind chinesischer
Pharmakologie gemäß elementare Eigenschaften der Arzneien. Sie stehen in
einem direkten Zusammenhang mit bestimmten Wirktendenzen. Diese sind
wiederum spezifisch organbezogen ("Orbisbezug"). Im Ergebnis werden für
jedes Mittel Indikationen und Kontraindikationen angegeben. Zur weiteren
Bestimmung gehören Kombinierbarkeit und Unverträglichkeit mit anderen
Drogen, die Toxizität und die Dosierung entsprechend der
Verabreichungsform.[23]
Die dem Patienten verabreichte Arznei besteht in der Regel aus einer
Komposition verschiedener Einzelmittel. Die klassische Verabreichungsform
ist die Abkochung, das „Dekokt“, selten ein Aufguss wie bei unseren
heimischen Heiltees. Auch die Wirkungsintensität ist mit der von Heiltees
nicht zu vergleichen. Neben anderen Formen der Verabreichung sind für
Fertigarzneien – Standardkombinationen für häufige Indikationen – auch
Pillen und Granulate in Gebrauch.
Quelle: Wikipedia
Urheber: Gemeinschaft der Wikipedia-Autoren
Version vom 25. Oktober 2009 um 17:50 Uhr
abrufbar unter:
http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Traditionelle_chinesische_Medizin&oldid=66002929
Lesen Sie Weiter:
Siehe auch:
1. ↑ Siehe zum
Beispiel den Sprachgebrauch beim "14th International Congress of Oriental
Medicine" in Taiwan, 2.–4. Dez. 2007.
2. ↑ Legal Status of Traditional Medicine and Complementary/Alternative
Medicine: A Worldwide Review, S. 2. (Dokument als PDF)
3. ↑ Paul U. Unschuld: China. in: Heinrich Schipperges, Eduard Seidler, Paul
U. Unschuld (Hrsg.), Krankheit, Heilkunst, Heilung. Verlag Karl Alber,
Freiburg und München 1978, ISBN 3-495-47388-2, S. 193-227
4. ↑ Unschuld (1978), China. siehe auch [1]
5. ↑ Unschuld (1978), China
6. ↑ Unschuld (1978), China, S. 201
7. ↑ Unschuld (1978), China.
8. ↑ Unschuld (1978), China, S. 207
9. ↑ nach: Unschuld (1978), China, S. 210 ff
10. ↑ Siehe zum Beispiel die Onlineversion einer Ausstellung der US National
Library of Medicine vom Oktober 2000: "Classics of Traditional Chinese
Medicine"
11. ↑ W. Michel: Frühe westliche Beobachtungen zur Akupunktur und
Moxibustion. Sudhoffs Archiv, Vol. 77, No. 2 (Stuttgart 1993), 194-222.
(Dokument als PDF)
12. ↑ W. Michel: Far Eastern Medicine in Seventeenth and Early Eighteenth
Century Germany. Studies in Languages and Cultures (Faculty of Languages and
Cultures, Kyushu University), No. 20 (2004), pp. 67-82. (Dokument als PDF)
13. ↑ Deutsche Ausgabe von 1676: Hermann Buschof - Das genau untersuchte und
auserfundene Podagra, Vermittelst selbst sicher=eigenen Genäsung und
erlösenden Huelff=Mittels. (W. Michel hrsg.) Haug Verlag, Heidelberg 1993.
148pp.
14. ↑ Wilhelmi ten Rhyne M.D. &c. Transisalano-Daventriensis Dissertatio de
arthritide: Mantissa schematica: De acupunctura: et Orationes tres. (London,
1683). Siehe Website der Groupe d'Etude et de Recherche en Acupuncture. Dort
auch Auszüge aus der Schrift auf Englisch als PDF. Deutsche Übersetzung der
Mantissa Schematica im Kyushu University Institutional Repository
15. ↑ Die Ausführungen zur Tradition der chinesischen Medizin in Japan
beruhen auf den Artikeln der japanischsprachigen Wikipedia zu den Themen:
"Traditionelle chinesische Medizin" - 伝統中国医学, "Chinesische Medizin" - 中医学,
"Koreanische Medizin" - 韓医学 und "Kampo-Medizin" - 漢方医学
16. ↑ Einen knappen Überblick zu den Besonderheiten der japanischen
Akupunktur findet man im Kyushu University Institutional Repository (QIR)
(Dokument als PDF)]
17. ↑ "Department of Oriental Japanese Medicine" an der Medizinischen
Fakultät der Universität Toyama.
18. ↑ J. Reston: Now about my operation in Peking. In: New York Times. 1:6,
1971.
19. ↑ Dazu die in der Literaturliste aufgeführten Bücher von: Ted J.
Kaptchuk, Das große Buch der chinesischen Medizin; Giovanni Maciocia, Die
Grundlagen der chinesischen Medizin; Manfred Porkert, Die theoretischen
Grundlagen der chinesischen Medizin. Eine kompakte Darstellung des Begriffs
Qi gibt: Christian Schmincke, Der Energiebegriff in der chinesischen Medizin
– Wie das Qi die Welt bewegt, in: Naturarzt, Heft 08/2005, S. 39-41.
(Manuskript als PDF)
20. ↑ Wolfgang Bauer, Geschichte der chinesischen Philosophie, C.H. Beck,
München 2001, S. 95, ISBN 3-406-47157-9
21. ↑ Zum historischen Hintergrund des Systems der Trakte und Kanäle siehe
Lu Gwei-Djen / Joseph Needham, Celestial Lancets, S.13ff.
22. ↑ Manfred Porkert: Klinische Chinesische Pharmakologie. Fischer,
Heidelberg 1978, ISBN 978-3-85597-002-5
23. ↑ Manfred Porkert: Klinische Chinesische Pharmakologie. Fischer,
Heidelberg 1978, ISBN 978-3-85597-002-5, S. 52–59.
24. ↑ Manfred Porkert: Klinische Chinesische Pharmakologie. 1978, S. 3-34
25. ↑ Manfred Porkert: Klinische Chinesische Pharmakologie. S. 30 u. 31
26. ↑ Manfred Porkert: Klinische Chinesische Pharmakologie., S. 30
27. ↑ Kuhn T, Wang Y (2008): Artemisinin - an innovative cornerstone for
anti-malaria therapy.Progress in Drug Research. 2008;66:383, 385-422. PMID
18416312
28. ↑ im Deutschen Ärzteblatt unter den Titeln "Akupunktur bei chronischen
Knie- und Rückenschmerzen" und "Akupunktur bei chronischen Kopfschmerzen".
Siehe http://www.gerac.de/de_index_publikationen.htm
29. ↑ Heinz G. Endres, Norbert Victor, Michael Haake, Steffen Witte, Konrad
Streitberger, Michael Zenz: Akupunktur bei chronischen Knie- und
Rückenschmerzen - Acupuncture for the Treatment of Chronic Knee and Back
Pain. In: Deutsches Ärzteblatt. 104(3), 2007
30. ↑ A. Shang, K. Huwiler, L. Nartey, P. Jüni, M. Egger: Placebo-controlled
trials of Chinese herbal medicine and conventional medicine comparative
study. In: International Journal of Epidemiology. 36(5), 2007
31. ↑ Siehe abstract der Studie.
32. ↑ Dawkins, Richard, The Enemies of Reason
33. ↑ Chinas Heilpflanzen bereichern Bayerns Anbaupalette
34. ↑ Langzeitstudie über mögliche Nebenwirkungen der chinesischen Kräuter
35. ↑ Mitteilungen der Securvita vom 13. März 2003: Wer schützt die
Heilpflanzen? SECURVITA kooperiert mit dem WWF
36. ↑ Science. Band 313 (Heft 5786), 20. Juli 2006, S. 419.
37. ↑ Siehe das Abstract des Berichts der WSPA vom 12. Juni 2007: From Cage
to Consumer - The global trade in bear parts from China to Asia and beyond.
Dort auch Links zum Download des 28-seitigen Dokuments als PDF (ca. 3,3 MB)
und zu weiteren Informationen.
Eine knappe, alles Wesentliche enthaltende Darstellung des Themas gibt
Marcus Anhäuser im Wissenschaftsteil der Süddeutschen Zeitung vom 20. Juni
2007: Einzelhaft für Kragenbären
38. ↑ Dazu der Abschnitt "Dem Tod verschrieben – Die (Über)nutzung von
wildlebenden Arten für TCM"> im Artikel Traditionelle Chinesische Medizin
auf der Website des NABU.
39. ↑ Geschichte und Ziele der AG "Medizin und Artenschutz" - Eine
Expertengruppe formiert sich
40. ↑ "Keine bedrohten Tiere auf Rezept!" - Pro Wildlife und Internationale
Gesellschaft für Chinesische Medizin kooperieren im Artenschutz
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